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Miteinander auf dem Weg


Arbeitsgruppe Neue kirchliche Bewegungen | 17.05.2008

Séminaire d'étude pour réfléchir sur la sollicitude pastorale envers les mouvements ecclésiaux et les communautés nouvelles



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Arbeitsgruppe Neue kirchliche Bewegungen | 25.06.2007

„Movimenti“ und Geistliche Gemeinschaften – Katholische Vielfalt – Mut zur innerkirchlichen Ökumene

Bewegungen wollen „Kirche in Bewegung“ sein in der Überzeugung, dass die Gemeinschaft der Glaubenden auch heute eine grosse Vielfalt von Charismen und Diensten für den Aufbau von Kirche und Gemeinde geschenkt wird. Es geht sowohl um eine persönliche Erneuerung des Glaubens als auch um die Beheimatung in eine erfahrbare Glaubensgemeinschaft und um die Erneuerung der Kirche.

Erste Beobachtungen
Pfingsten 1998 in Rom – erster Weltkongress der katholischen Gemeinschaften und Bewegungen („Movimenti“) mit mehr als 50 Bewegungen – 2006 der zweite Weltkongress mit mehr als 100 Gemeinschaften und Bewegungen, Grossveranstaltungen mit nahezu einer halben Million Anhängern – innerkirchliche Vielfalt. Überkonfessionelle Europatage im Mai 2004 und 2007 mit römisch-katholischen „Movimenti“, evangelikal-freikirchlichen wie (noch wenigen) orthodoxen Bewegungen und Gemeinschaften in Stuttgart. Grossveranstaltungen mit prominenter Beteiligung. Christen unterwegs: Jugendliche, junge Erwachsene, Ehepaare mit, ohne Kinder, Singles, betagte Menschen; Vertreter von Gemeinschaften, „professionelle Christen“, Ordensleute und Prediger – Volk Gottes international. Sie wandern, nehmen eine Vielfalt von Angeboten wahr: theologische Weiterbildung, Gespräche, Spiritualität, zum Abschluss eine Grossveranstaltung – Orte der Begegnung, Orte der Besinnung, Orte zum Feiern. Ein buntes Bild – die vielen Farben des Geistes Gottes werden sichtbar – in Be-geist-erung erfahrbar oder wie es Carlo Maria Martini ausdrückt:
„Der heilige Geist ist da – lächelnd, tanzend dringt er ein, er umhüllt und umfängt und kommt auch dort hin, wo wir es uns nie hätten vorstellen können. Auch in einer Epoche, deren grösste Krise der Transzendenzverlust, das abhanden gekommene Gespür für Gott ist. Der Geist ist da, und spielt mit, unsichtbar und oft im kleinen. Und er wird sein Spiel gewinnen.“ (Martini C.M., Spuren des Hl. Geistes, München 1998, 29.)

Und in der Schweiz:
Die Treffen der „Movimenti“ in Baar 1999 - 2000 – 2006 (zuletzt ökumenisch mit 53 teilnehmenden „Movimenti“ und geistlichen Gemeinschaften, auch der evangelischen Kirche). Eine Koordinationsstelle „Kirchliche Bewegungen und neue Gemeinschaften“ wird eingerichtet. Eine Arbeitsgruppe wird mit der Aufgabe betraut, für die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Pfarreien und Bewegungen“ Leitlinien zu erarbeiten. Unter dem Titel „Pfarreien und neue kirchliche Bewegungen – eine gegenseitige Bereicherung“ und „Pfarreien und Neue Kirchliche Bewegungen. Vom Gegeneinander zum Miteinander“ wurden sie von einer Arbeitsgruppe der PPK erarbeitet und in der Junikonferenz der SBK 2007 verabschiedet. 2007 wird die AG“ Kirchliche Bewegungen und Lebensgemeinschaften“ der SBK ins Leben gerufen.

Daneben macht es den Anschein, als seien die Kirchenstrukturen der „alten Kirche“ die der Pfarreien, die einer bürgerlich säkularisierten unverbindlichen Servicekirche geworden. Die Mitglieder bedienen sich der Kirche und ihrer Amtsträger nur dann, wenn sie diese brauchen, wenn sie Angebote macht, die in den privaten Lebensrahmen passen, ihre privaten Bedürfnisse abdecken. „Heimatkirche“: Sakramente als Hilfe zu Familienfeiern, der ‚schöne’ Gottesdienst als Freizeiterlebnis, die Agape nach dem Gottesdienst als Gemeindeplausch, der Religionsunterricht als Ersatzort zur Werteerziehung, wenn Eltern überfordert sind. Wichtig – aber zukunftstragend?
Gleichzeit werden christlicher Analphabetismus, fehlende Leidenschaft, Lernunwilligkeit fehlende Identität mit der (Amts-)kirche erfahrbar – Religion heute : ich wähle selbst aus...Ich möchte noch...Verdunstung des Christlichen....Vielfalt des Religiösen.

Ausdruck der Ecclesia semper reformanda
Das Wort einer sich ständig erneuerungsbedürftigen und sich erneuernden Kirche hat die Geschichte der Kirche durch die Jahrhunderte geprägt. Durch Jahrhunderte war die Nachfolge Christi eng mit der Spiritualität der Orden verbunden. Denken wir an die innerkirchlichen Aufbrüche, die das Evangelium radikal zu leben suchten, an die Ordensgründungen eines Benedikt von Nursia, Bernhard von Clairvaux, Dominikus, Franz von Assisi, Ignatius von Loyola und Theresa von Avila...
Eine eigene Laienspiritualität entwickelt sich intensiver im 19./20. Jh. Mit den Verbänden, der katholischen Aktion und den neuen Geistlichen Bewegungen (Movimenti).
Die Mehrzahl der „Movimenti entstand vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 – 1965). Dieses hat sich jedoch massgeblich auf die Entwicklung der Bewegungen und deren Vitalität ausgewirkt. Sie stehen der nachkonziliären Erneuerung und Strömungen heutigen kirchlichen Lebens in engster Verbindung.

Sie sind meist unter der Führung einer charismatischen Persönlichkeit entstanden. Die Gründerpersönlichkeiten spielen eine grosse Rolle – oft über die eigene Gemeinschaft hinaus.

Einige seien hier genannt:
Movimenti
Arche 1964 Frankreich; Jean Vanier
Charismatische Erneuerung CE, 1967 USA;
Chemin neuf, 1973, Laurent Fabre (charismatische Bewegung)
Communione e liberatione (CL), 1954 Mailand; Luigi Ginssani, anerkannt 1982;
Communité Saint Jean, 1975, Marie Dominique Philipp;
Cursillio, 1949 Mallorca;
Emmanuel, Frankreich (charismatische Bewegung) 1972
Fokolar, 1943 in Trient; Chiara Lubich, 1962 anerkannt
Fraternités monastique de Jérusalem, 1975, Pierre-Marie Delfieux ;
Gemeinschaft Charles de Foucauld, 1955, Frankreich
GRAL Internationale Bewegung von Frauen, 1921 Holland
Legio Mariae, 1921, Irland, Frank Duff
Neukatechumenaler Weg, 1965 Madrid, Riko Arguello, anerkannt 1990 (Statut 2002);
Schönstatt, 1914 Vallendar Deutschland, P. Josef Kentenich
Sant’ Egidio, 1968 in Rom, Andrea Riccardi
Verbe de Vie, George Bonneval

Daneben geistliche Gemeinschaften:

Franziskanische Gemeinschaft
Gemeinschaft geistlichen Lebens
Dominikanische Gemeinschaft
Teresianische Karmelgemeinschaft
die im Gründungskontext zu geistlichen Ordensfamilien entstanden.

Als bedeutender Impuls sowohl für die Gründerpersönlichkeiten wie für die Gemeinschaften selbst ist die ökumenische Brüdergemeinschaft von Taizé zu benennen, die über die Grenzen Frankreichs eine Rolle spielte.
Der europäische Kontext gilt auch für die geistlichen Bewegungen und Gemeinschaften, die auf einer Ordensspiritualität gründen.

Leitthemen der Movimenti:

  • Wir sind wanderndes Volk Gottes in der Geschichte
  • Und Leib Christi in Einheit und Verschiedenheit
  • Gemeinsames Priestertum aller Glaubenden
  • Bedeutung der Charismen und Begabungen in der Kirche
  • Bedeutung von persönlicher Konversion und Glaubenszeugnis
  • Entdeckung der neopfingstlerischen Frömmigkeit der USA für die katholische Kirche
  • Basisgemeinden und ihre politische wie kirchlich-institutionelle Kritik
  • Die ökumenische Bewegung und ihr Aufbruch innerhalb der römisch-katholischen Kirche

Die Dekrete Lumen Gentium (LG 10) und Apostolicam actuositatem (AA 2f.) sowie das Schreiben „Christifideles Laiici (CL)“ sind für das innerkirchliche Verständnis von Bedeutung:
So legt CL 30 die fünf grundlegenden Kriterien der Kirchlichkeit für die Zusammenschlüsse von Laien fest:

  1. die Vereinigungen sollen sich zum ganzen katholischen Glauben bekennen und Orte der Glaubensverkündigung und der Glaubenserziehung sein;
  2. sie sind gehalten, ihr Apostolat in treuer Verbundenheit mit dem Papst und den Bischöfen auszuüben und sich der legitimen Vielfalt der Zusammenschlüsse bewusst sein;
  3. alle Formen der Zusammenschlüsse müssen mit den apostolischen Zielen übereinstimmen;
  4. sie werden aufgefordert, mit missionarischem Eifer an der Evangelisierung aller Menschen mitzuwirken;
  5. die verschiedenen Vereinigungen sind gehalten, ihren Beitrag zur Humanisierung der Gesellschaft zu leisten.

Antworten auf neue Herausforderungen der Kirche

Bewegungen wollen „Kirche in Bewegung“ sein in der Überzeugung, dass die Gemeinschaft der Glaubenden auch heute eine grosse Vielfalt von Charismen und Diensten für den Aufbau von Kirche und Gemeinde geschenkt wird. Es geht sowohl um eine persönliche Erneuerung des Glaubens als auch um die Beheimatung in eine erfahrbare Glaubensgemeinschaft und um die Erneuerung der Kirche.

  • Wiederentdeckung der Hl. Schrift
  • Intensives Leben aus dem Wort Gottes
  • Liturgie und die vielfältigen Möglichkeiten des gemeinschaftlichen Gebetes
  • Kirche – Communio = als Gemeinschaft von Personen, gesammelt um Jesus Christus im Hl. Geist.
  • Neue Formen von Kirchlichkeit:
    1. Vom „Festnetz“ der Pfarreien zum „Mobilnetz“ der Bewegungen; ein gemeinsamer Lernprozess
    2. Priorität einer Kirchlichkeit, die Raum lässt für die Vielfalt der Charismen und Dienste (vor der strukturell-institutionellen Dimension).
    3. die Kontakt zum Amt in der Kirche sucht und die sich manifestieren will in der Treue zur Ortskirche.
    4. die die Katholizität und Weite/Universalität der Kirche betont und den kulturellen wie gesellschaftlichen Problemen der Kirche und der Welt nicht mit strukturellen Lösungen, sondern mit einem geistlichen Lebensangebot entgegentreten will
    5. Sie bildet ein religiöses Lebensmilieu aus, in denen kirchliche Lehren und als glaubens- und lebensrelevant erfahren werden können.

Besonderheiten

  • Zugehörigkeit zu geistlichen Familien
  • Bemühen um bestimmte Aspekte des Glaubenslebens
  • Engagement für die Einheit der Christen (eventuell auch interreligiöser Dialog)
  • Bedeutung und Verbindlichkeit gemeinschaftlichen Lebens (regelmässige Treffen, unterschiedliche Stufen der Zugehörigkeit, Versprechen)
  • Treue zur Ortskirche ist wichtig – Kontakt zum Amt
  • Evangelisierung aller Menschen

Organisation
Das Erscheinungsbild der „Movimenti“ ist verschiedenartig und vielfältig – ein gemeinsamer Nenner in inhaltlicher Hinsicht ist nicht leicht zu finden.

  • mehrheitlich Laien
  • überörtlich organisiert
  • regional unterschiedliche Verbreitung

Unterschied zu den Orden:

  • keine radikale Lebensentscheidung mit lebenslangen Gelübden (jedoch bindende Versprechen)
  • keine so fest umrissene Lebensform
  • sie stehen in der Nähe zu Säkularinstituten (seit 1947 in der katholischen Kirche offiziell errichtet). Sie haben jedoch keine so fest umrissene Lebensform wie diese.

Die Mehrzahl der „Movimenti“ sind als „Vereinigung von Gläubigen“ bischöflichen Rechts approbiert (CIC 298 – 329) oder entfalten sich im Rahmen der Vereinsfreiheit der Gläubigen (CIC 215). Verantwortlich ist der Päpstliche Rat für die Laien.

Bedeutung der „Movimenti“ für die Zukunft

  • Ausdruck der Universalität: sie sind überregional – international organisiert
  • Sie sind bezogen auf das Petrusamt, erfahrbar in der Verdichtung an den Weltjugendtagen; hier wird die Suche Jugendlicher nach Vorbildern und Modellen des Christseins über das Angebot der Ortskirche hinaus sichtbar. Weltjugendtag Köln 11. – 21. Aug. 2005 Papst Benedikt „Bildet Gemeinschaften“
  • Aufbau einer überkonfessionellen Spiritualität
  • Geistlicher Schulungsprozess und Mitgliedschaft:
    Kleiner Glaubenskurs oder mehrjähriges Katechumenat
    Bibelseminare
    Gestufte Exerzitienangebote und geistliche Begleitung
    Lebens- und Glaubensschulen
  • Neuentdeckung der charismatischen Dimension der Kirche
  • Entdeckung neuer Sozialformen christlichen Lebens:
    Kirche als soziales Netzwerk
    Entwicklung von Zugängen und Zugehörigkeitsformen, die den jeweiligen Erfahrungen des Einzelnen und ihrer Suche nach dem lebendigen Gott entsprechen.
  • Das biographische Zeugnis: Mein Christ-sein ist (mir) wichtig.
    Dies wird besonders deutlich, wenn man mit Vertretern der ‚Movomenti’ spricht:
    Sie berichten vom Entstehen ihrer Erfahrungen und geben Zeugnis ihres eigenen christlichen Weges innerhalb der Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben. In ihren begeisterten Zeugnissen spricht ihre Erfahrung der Erzähl- und Mahlgemeinschaft Jesu heute. Denn für sie spricht heute Gott, spricht Jesus Christus zu ihnen, erfahren sie den Geist Gottes – wenn sie zusammenkommen.
    Und sie berichten: ich erfahre, höre, nehme mit allen Sinnen wahr, antworte, bekenne, werde Zeuge des Evangeliums im Alltag. Es ist mein Glaubensweg, der wichtig ist, der ernst genommen werden möchte – der, den ich (kennen-)gelernt habe. Neuaufbrüche – sich bewegen lassen – Spuren Gottes entdecken in lebendigen Gemeinschaften Gleichaltriger. Viele tragen dazu bei – doch es ist mein Glaube, einzigartig. Gespräch Gottes mit mir. Und so gebe ich mich hinein in die Gemeinschaft als Teil der Kirche. Ich bin Kirche. Ich tausche aus mit Anderen, verkünde mein Evangelium.

Integration der Movimenti in die pastoralen Strukturen (am Beispiel Frankreich)

Während früher meist Ordensgemeinschaften die Verantwortung über Pfarreien übertrugen erhielten, werden diese in vermehrter Weise heute den Movimenti zugeteilt. Dabei spielen auch die Nähe des Bischofs zu einer Gemeinschaft eine Rolle. Dies kann dann – über das Gebiet der Pfarrei hinaus – zu Personalgemeinden mit bestimmten (spirituell-liturgischen) Schwerpunkten führen.
Daneben haben „Movimenti“ Aufgaben übernommen, die Ordensgemeinschaften übertragen waren, jedoch auf Grund von Nachwuchsproblemen nicht mehr weiter geführt werden konnten (Wallfahrtsbetrieb). Beispiele: Sainte-Madeleine in Vézelay (Franziskaner) und Mont-Saint-Michel Normandie (Benediktiner) durch die Communautés monastique de Jérusalem; Basilika von Paray-le-Monial durch Emmanuel).
Auch gehören heute sieben aktive französische Bischöfe geistlichen Bewegungen an:
Der Bischof von Pamiers, Albert-Marie de Monléon (Emmanuel), ebenso die Weihbischöfe Dominique Rey (Fréjus-Toulon) und Guy de Kérimel (Nizza); Patrick le Gal (Tulle); Weihbischof Benoit Rivière (Marseille (Fraternités monastique de Jérusalem). Mit Michel Santier (Bischof von Luçon) und Joseph Boishu (Weihbischof von Reims) wurden Gründer von Gemeinschaften geweiht.
Daneben gehören zahlreiche Priester diesen Movimenti an; angesichts des zahlreichen Priesternachwuchses aus den Bewegungen wird dieser Anteil sich in der Zukunft erhöhen.

Spannungsreiche Vielfalt – Versuche der Bewältigung in der Schweiz

Innerkirchliche Spannungen – Streitigkeiten – zwischen Vertretern der Movimenti, Pfarreien und der Amtskirche sind nicht neu. Es wiederholen sich Konflikte, die bereits in der Urkirche bekannt waren – nachzulesen bei Paulus in seinen Ermahnungen, in seinem Brief an die Gemeide von Korinth: Brüder (und Schwestern), um des Namens unseres Herrn Jesu Christi wilen ermahne ich euch: seid einig im Wort und lasst keine Spaltung unter euch aufkommen...“(1 Kor 1, 10ff).
Geistlichen Bewegungen wird gelegentlich fundamentalistisches oder gar sektiererisches Verhalten vorgeworfen. Oft sind solche Vorwürfe pauschal; es wird Anstoss genommen an alternativen oder radikalen Lebensgemeinschaften – wie dies auch Ordensgemeinschaften erfuhren.

„Movimenti“ sind keine fertige Grössen, sondern in Bewegung, d.h. in Veränderungen und Korrektur begriffen. Mögliche Gefährdungen:

  • spirituelle Einseitigkeit, die blind macht für andere Erfahrungen
  • Ausschliesslichkeitsanspruch, der zu Überheblichkeit und Intoleranz führen kann
  • Flucht in die Intimität einer Kleingruppe, um die Auseinandersetzung mit den Fragen und Herausforderungen des Alltags in der modernen Welt zu vermeiden
  • Vermischung menschlicher Reformwünsche, wobei Lehre und Praxis eine „Unterscheidung der Geister ignorieren.

Bernard Bastian spricht von Wachstumsetappen (La Croix, 2. Sept. 2004):

  • Kindheit mit Allmachtsphantasien
  • Jugend mit Suche nach Identität und ihren Rivalitäten
  • Erwachsenenalter mit den Herausforderungen des Wachstums der Gemeinschaften und den Spannungen zwischen den Generationen und der Frage nach der Nachfolge der ersten Generation.

Daher ist es notwendig, eine positive Auseinandersetzung – auch in einer säkularisierten Öffentlichkeit – zu führen. Auch sind und bleiben die geistlichen Bewegungen auf ein Klima des Wohlwollens, der Ermutigung und der Kommunikation innerhalb der Kirche angewiesen. Integration in die kirchliche Communio bedeutet jedoch auch immer auch, falsche Absolutheitsansprüche zu relativieren.

Auch in der Schweiz wurde die Frage nach einer innerkirchlichen Kommunikations- und Konfliktkultur gestellt, entwickelt:
Sie fand ihren Ort bei den Tagungen in Baar:
Im September 1999 lud Weihbischof Martin Gächter im Namen der Bischofskonferenz zu einer Begegnung der Bewegungen ein; 200 Angehörige aus 25 Movimenti kamen mit Vertretern der Bischofskonferenz zusammen; um sich gegenseitig kennen zu lernen, miteinander ins Gespräch zu kommen, aufeinander zuzugehen war das Ziel des ersten Treffens. (Hatte die röm.-kath. Kirche Schweiz von der Initiative des SEK gelernt, die in den 80iger Jahren mit ihren evangelikalen Brüdern und Schwestern zusammenkamen. Leider wurden sie - zu rasch – beendet; sie wären besonders heute notwendig!).
Ein Jahr später waren zu einem Folgetreffen auch Vertreterinnen und Vertreter aus den Pfarreien eingeladen worden. Die Vorbehalte, Befürchtungen und Abwehrhaltungen kirchlicher Bewegungen in den Pfarreien bzw. der Pfarreien mit den Bewegungen sollten an konkreten Situationen aus dem kirchlichen Alltag besprochen und soweit möglich erklärt werden.
Ein „Symposium der Verantwortlichen von kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften mit Vertreterinnen und Vertretern der Pfarreien und Diözesen“ folgte.
Gespräche über Konflikte:

  • von den Pfarreien her wurde geklagt: dass SeelsorgerInnen von Bewegungen versuchen, der Pfarrei ihre besondere Spiritualität aufzudrängen und Pfarreiangehörige, die sich nicht darauf einlassen, vernachlässigten.
  • Von den Bewegungen her: Dass Pfarreiangehörige, Mitglieder von Bewegungen, zu wenig Raum für die Entfaltung ihrer Spiritualität erhalten.

War bereits in der Vorbereitung auf dieses Treffen auf Anregung von Weihbischof Martin Gächter und Abt Joseph Roduit, St. Maurice, eine Initiativgruppe begründet worden und eine „Koordinationsstelle: Kirchliche Bewegungen und neue Gemeinschaften“ eingerichtet worden, so wurde nun eine Arbeitsgruppe der PPK betraut, „für die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Pfarreien und Bewegungen“ Leitlinien zu erarbeiten. Diese wurden an der Junikonferenz der SBK verabschiedet und sollen nunmehr publiziert werden.
Erscheint im Herbst 2007: Pfarreien und Neue Kirchliche Bewegungen. Eine gegenseitige Bereicherung. Hg. PPK, St. Gallen. Und: “Pfarreien und Neue Kirchliche Bewegungen. Vom Gegeneinander zum Miteinander, Hg. PPK, St. Gallen; Bezugsadresse: SPI, Postfach 1926, 9001 St. Gallen.
Gleichfalls wurde in diesem Jahr die Arbeitsgruppe „Kirchliche Bewegungen und Lebensgemeinschaften“ ins Leben gerufen, die am 8. Juni ihre konstitutierende Sitzung hatte. Präsident ist Weihbischof Martin Gächter, Mitglieder sind sowohl Vertreter der Bewegungen als auch von Pfarreien, der AG ‚NRB’ und dem SPI.

Mut zur innerkirchlichen Ökumene

„Auf dass alle eins seien“ – ein Aufruf zur innerkirchlichen Ökumene heute: im Wissen um die Vielfalt der Traditionen, der Unterschiedlichkeit der Glaubenswege, der vielen christlichen Kulturen und spirituellen Gemeinschaften. Reichtum einer Weltkirche – Kirche Jesu Christi.
„Seid einmütig im Glauben“ – Aufforderung zum Mut zur Einheit in der Vielfalt. Mut zur Begegnung und zum Dialog untereinander: im Wissen um die Verschiedenheit des Anderen, des Gegenüber, im Ernst nehmen und daher im Aushalten der Spannungen mit dem christlichen Bruder, der christlichen Schwester, die mir mit ihren anderen Glaubenserfahrungen und ihrem anderen Glaubensleben begegnet.
Christliche Friedensarbeit: Gemeinsamer Austausch – gegenseitiges Wahrnehmen – Annehmen können – lernen einer fruchtbaren und fruchtbringenden Konfliktkultur – Umsetzen in eine innerkirchliche Ökumene.
Integration innerhalb der kirchlichen Communio ist auf ein Klima des Wohlwollens, der Toleranz und der Kommunikation angewiesen und bedeutet gleichzeitig immer auch, falsche Absolutheitsansprüche zu relativieren.
Mut zur Vielfalt der christlichen Lebensgemeinschaften und Bewegungen zu der einen Kirche Jesu Christi und Mut zu den vielen Farben des Regenbogens – dem Zeichen des Bundes Gottes mit uns Menschen.

Joachim Müller Tagung VOS Juni 2007
Literaturhinweis:
Neue Gruppierungen im Schweizer Katholizismus. Ein Handbuch, hg. SPI und Kath. AG ‚NRB’, NZN - Verlag, 2. Auflage, Zürich 2004
Nientiedt K., Aus den Kinderschuhen heraus. Der Ort geistlicher Gemeinschaften in der katholischen Kirche Frankreichs, Herder Korrespondenz 59, 2/2005, 65ff.
Marianne Tigges, Artikel „Geistliche Bewegungen“ in: Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen, hg. Baer H. - Gasper H. - Müller J. - Sinabell Jo., Freiburg 2005, 432ff.
Dito, Geistliche Gemeinschaft – Königsweg eines mystisch neu entdeckten Katholizismus?, in: Katholizismus in moderner Kultur, Festschrift Hans Gasper, Freiburg 2007, 31ff.

Autor: Joachim Müller (Vortrag gehalten an der Vereinigung der Höheren Ordensoberen der Schweiz am 25. Juni 2007)